Faszination Schenken

Geschenke haben für mich seit meiner frühesten Kindheit immer etwas Faszinierendes. Form, Farbe, Papier, Schleife, Karte – „was ist da bloß drin?“ Jedes Geschenk hat, ob zum Geburtstag oder zu Weihnachten, immer etwas Mystisches und Verheißungsvolles. Da kommt wahre Freude auf! In den letzten Jahren habe ich fast nur noch Gutscheine und keine Geschenke im herkömmlichen Sinne zu allen denkbaren Anlässen geschenkt bekommen; ein Stück gedrucktes Papier, in Groß- oder Kleinformat, gefaltet oder gerollt, mit oder ohne Bändchen, eine aufgeklebte Plastikkarte im Scheckkartenformat, unverpackt oder eingepackt in einem Umschlag. Die Gutscheine sind für alle möglichen Zwecke, ob ich sie brauche oder nicht, ob ich es mag oder nicht: für Kleidung, ein leckeres Essen im Restaurant, Sport- und Fitness, Gesundheit und Wohlbefinden bis hin zum Wellness-Wochenende, Tankgutschein, Theater- oder Kino-Highlight oder auch als Anzahlung für den nächsten Strandurlaub und vieles mehr. Gutscheine gibt es heute für Alles und Jedes.

coupon-1511618_1280Haufenweise Gutscheine

Mittlerweile stapeln sich die Gutscheine neben der Box mit Stiften auf meinem Schreibtisch. Da verliere ich schon langsam den Überblick. Die Freude über „das Geschenk“ gerät schnell in Vergessenheit. Auch wenn die Geschenkgutscheine sorgsam gebündelt irgendwo aufbewahrt sind, so greift man sie irgendwann in Hast und Eile des Alltags kurz vor dem Einlösen. Denn sie sollen ja möglichst nicht verfallen. Aber die Erinnerung an das tolle Ereignis, das Fest, den Anlass, selbst an den Schenkenden, ist verflogen und spielt eigentlich auch keine Rolle mehr. Nicht selten heißt es: „aus den Augen, aus dem Sinn“. So geraten Gutscheine auch in Vergessenheit, werden in der gültigen Frist gar nicht eingelöst und verlieren letzten Endes gänzlich Wert und Anerkennung. Schade um die Wertschätzung und die persönliche Note. Beides scheint futsch!

Die inneren Werte zählen

Wie sagt man so schön? – „Auf die inneren Werte kommt es an!“ Auf den Gutschein übertragen ist es nicht nur der Geldwert des Geschenkes, sondern auch seine Form und die Gedanken, die mit einem Geschenk verbunden sind.

  • Spricht mich das Geschenk optisch und haptisch an?
  • Wie gut kennt sie oder er mich und meine Wünsche?
  • Wie viel Zeit und Energie hat der Schenkende für mich investiert?
  • Halte ich etwas in Händen, was mich an den besonderen Moment erinnert?

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Das (Wert-)Geschenk sollte meines Erachtens sichtbar und spürbar mit Liebe und persönlicher Mühe (im Gegensatz zu „vergebener Liebesmühe“!) untrennbar verbunden sein und eine Einheit bilden. ein sorgfältig gewählter Gegenstand, ein besonderes Ereignis oder genussvolle, wohltuende Dienstleistungen – ein Geschenk sollte immer die Symbiose zwischen dem Schenkenden und dem Beschenkten herstellen. Es sollte „passen“, den richtigen „Kick“ für die Beziehung versprechen und wechselseitig Freude bereiten. Denn auch als Schenkender möchte ich doch mein Geschenk mit einem Lächeln und Überzeugung präsentieren und überreichen. Und die Freude des Beschenkten ist doch auch immer meine Freude!

Gutschein +Geschenk

Dieses Geschenk kann durchaus ein Gutschein sein. Natürlich! Doch kommt es auf die persönliche Note an! Und, diese ist eben nicht der geschwungen geschriebene Umschlag, der mit einem Sticker zugeklebt ist und bei der Übergabe vorsichtig und möglichst verdeckt aus der Jacken-Innentasche hervorgezogen wird.

Die persönliche Note sollte – bitteschön – wiederbelebt werden! Das, was die kleine Anstrengung und Mühe des Geschenkes ausmacht, was den Beschenkten an mich, den Absender, gerne erinnert. Etwas, was der Beschenkte mit dem Ereignis in Erinnerung behält.

Aber was ist denn die persönliche Note konkret? Schon mal daran gedacht, dem Gutschein

  • eine neue Umhüllung zu geben?
  • einen handschriftlichen Gruß in ein oder zwei Zeilen hinzuzufügen?
  • etwas zu ergänzen, was dazu passt und hilfreich ist?
  • eine kleine Geschichte um den Gutschein zu inszenieren?
  • oder, oder, ….

Jeder Versuch, den Gutschein wieder Geschenk werden zu lassen, ist willkommen und wird vom Beschenkten honoriert. Das hört sich schwieriger an, als es ist.

Manchmal reicht es, ein wenig Zeit sicht- und fühlbar zu schenken. Der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca vertrat dazu folgende Auffassung:

„Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“

Überprüfen wir uns selbst, auch im Zeitalter von Internet und digitalen Medien, ob wir unsere persönliche Zeit tatsächlich in die Wertschätzung und Geschenke für Familie, Freunde, Kollegen und Bekannte einbringen. Wie ist das bei Gutscheinen? Wechseln wir dabei nicht einfach nur Geld? – Hmm!

hand-1590578_1280Zeit – ein Geschenk!

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit: Zuhause, in der Mittagspause, im Auto, beim Warten am Flughafen oder am Bahnhof. Durchdenken Sie das nächste Ereignis, zu dem Sie etwas mitbringen möchten. Als Dankeschön für Ihre Lieben, für eine Einladung, aus Respekt und Anerkennung zu gegebenem Anlass oder einfach als kleines Mitbringsel für Zwischendurch: Wem möchte ich wann, warum, was, wo, wie schenken? Viele Geschenke, aber auch ein einfacher, herkömmlicher Gutschein, haben hier ihre natürliche Grenze, die es zu öffnen gilt. Schon ein kleiner Gedanke kann das leisten.

Dem geschenkten Gaul schaut man durchaus ins Maul.

2016-11-07T15:49:42+00:00

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